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    Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit

    Ortsverein Osnabrück

    Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit

    Steigende Mieten, zu wenig erschwingliche Wohnungen – mit diesem Problem müssen sich immer mehr Menschen in Osnabrück herumschlagen. Nicht nur für finanziell schlechter gestellte Menschen ein Problem, trifft es inzwischen schon viele „Normalverdiener“! In Osnabrück fehlen ein paar Tausend Wohnungen. Darum gibt es ein Bürgerbegehren für eine kommunale Wohnungsgesellschaft in Osnabrück. Mehr unter bezahlbarer-wohnraum-osnabrueck.de

    "Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit"

    Am 14. Februar 2019 hatte der ver.di Ortsverein Osnabrück / Umland zu einem Vortrag mit dem Stadtsoziologen Dr. Andrej Holm in die Universität Osnabrück, ins Schloss eingeladen! Dieser Vortrag fand im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe des Bündnisses Osnabrücker Ermutigung statt.

    Über 70 Interessierte waren gekommen, um die Vorschläge zu hören und zu diskutieren!

    Andrej führte zügig in die Thematik ein: Explodierende Mieten in vielen Großstädten, überforderte Wohnungsunternehmen und neue Anforderungen an die Wohnungsversorgung bestimmen die aktuelle Diskussion. Bezahlbarer Wohnraum wird fast überall gesucht.

    Dabei machte er schnell deutlich, dass die Marktorientierung und politische Fehlorientierungen die Hauptursachen für die Misere sind. Der Markt ist auf eine optimale Rendite ausgerichtet, und die ist bei „kleinen“ Mieten eher nicht zu generieren. Außerdem haben die bisherigen Förderungen von „Sozialem Wohnungsbau“ nur zu temporären Mietbindungen geführt. Gerade private Immobilieninhaber haben nach Auslaufen der Förderung (ca. 20 bis 25 Jahre) die Mieten deutlich angehoben. Die Entwicklung der Mietpreise insgesamt lag in den zurückliegenden Jahren immer deutlich oberhalb der Lebenshaltungskosten und der Lohnsteigerungen! Und obwohl die öffentliche Hand Jahr für Jahr mit vielen Milliarden Euro die Wohnungsbranche fördert, wird die Situation immer prekärer! Für Andrej ein Beleg für die Fehlanreize durch die bisherige Wohnungsbaupolitik! Die offiziell vorgelegten Zahlen zur Wohnraumversorgung verschleierten den wahren Bedarf nach günstigen Wohnungen. Ein Großteil der Mieter zahle jetzt schon mehr als er leisten könne.

    Er plädiert dafür, den Wohnungsbau drastisch zu steigern und die Immobilien (oder zumindest die Baugrundstücke) in öffentlicher Hand zu belassen! Hilfsweise unterstützt durch eine Wiedereinführung einer Gemeinnützigkeit in der Wohnungswirtschaft. Er zeigte in einer Grafik, dass der Wohnungsbau in Deutschland (Weimarer Republik und Bundesrepublik Deutschland) immer dann am ergiebigsten war, wenn der Staat die größten Auflagen vorgab. Dabei waren dann vor allem Akteure aktiv, die nicht unbedingt der klassischen Wohnungswirtschaft zuzurechnen sind (wie die Gewerkschaften).

    In der anschließenden Diskussion erläuterte Andrej Holm an Hand von praktischen Beispielen wie man mit den Möglichkeiten einer „Erbpacht“ die Immobilieneigentümer langfristig binden kann. Auch dadurch sei eine nachhaltige soziale Wohnungsbindung möglich.

    Heinrich Funke

    Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit ver.di Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit  – Dr. Andrej Holm
    Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit ver.di Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit  – Dr. Andrej Holm
    Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit ver.di Die neue Wohnungsgemeinnützigkeit  – Heinrich Funke