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    Mehr als Taschengeld

    Aktionstag für gute Pflege

    Mehr als Taschengeld

    Mehr als Taschengeld ver.di Mehr als Taschengeld  – Bundesweiter ver.di-Aktionstag für gute Pflege am 20.11.2019 auch in Oldenburg

    Am Mittwoch, 20. November 2019, fand auf dem Oldenburger Bahnhofsvorplatz eine Kundgebung für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege statt. Hierzu hatte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) anlässlich des bundesweiten ver.di-Aktionstags für Altenpflege aufgerufen. Damit wird der Forderungen nach einem flächendeckenden Tarifvertrag, einer Begrenzung der Eigenanteile für Pflegebedürftige in Altenpflegeheimen und einer Pflegebürgervollversicherung Nachdruck zu verleihen. In Oldenburg waren darüber hinaus alle Problembereiche der Pflege aufgerufen.

    Britta Hartmann vom Seniorenzentrum ProSenis Leer verdeutlichte die Dramatik in ihrem Redebeitrag eindrücklich. Dort befindet man zurzeit in Tarifrunde. Es wird ei-ne Anhebung der Entgelttabellen von derzeit 90 % des Niveaus des Tarifvertrag des öffentlichen Dienst (TVöD) auf 100 % gefordert: „Wir sollen 100 % gute Pflege leisten, bekommen aber nur 90 % von dem, was unsere Kolleg*innen in den umliegenden Altenheimen verdienen.“ Wie so oft wird auch hier behauptet, mit der Ver-besserung der Gehälter stiegen die Eigenanteile derart, dass der Massenauszug der Bewohner*innen und damit die Schließung von Stationen unausweichlich würden. „Das ist ein unredlicher Versuch, die Bewohner*innen gegen die Beschäftigten aus-zuspielen.“ Finanzierbar sei die Forderung schon jetzt. Dennoch unterstützt die Gewerkschaftsaktivistin die ver.di-Forderung nach einer Deckelung der Eigenanteile sowie die Einführung einer Pflegebürgervollversicherung, damit mehr Geld ins System kommt. „Nur so ist der Pflegenotstand aufzuhalten, der sich zunehmend durch den Personalmangel aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen verschärft.“

    Dirk Brandes, Betriebsratsvorsitzender des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg, weiß, was Pflegenotstand ist. „Unsere Dienstpläne sind eigentlich kein Planungsinstument mehr. Aufgrund von Personalknappheit und Ausfällen durch diese Knappheit ändert sich der Dienst ständig.“ Man zahle so die Zeche von jahrelanger Spar- und Privatisierungspolitik in der Pflege. Zelal Aykan, ebenfalls beschäftigt am Evangelischen Krankenhaus, untermauert dies aus der Perspektive der Auszubildenden: „Statt Praxisanleitung werden die Auszubildenden wegen der angespannten Personalsituation direkt in die Verantwortung getrieben.“ So ersetzten sie Vollzeitarbeits-kräfte, inklusive Holen aus dem Frei und Durcharbeiten von Pausen. „Kein Wunder, dass bei dieser Überlastung und Überforderung 30 % der Pflegeschüler*innen auf der Strecke bleiben.“

    Die Kolleg*innen auf der Kundgebung waren sich einig, dass Raubbau an der Pflege katastrophale Folgen für die gesamte Bevölkerung habe. Egal ob in der Alten- oder Krankenpflege, Psychiatrie oder Rehabilitation: Es sei überfällig, die Marktprinzipien und arbeitnehmerfeindliche Methoden zu beseitigen, und sich dem öffentlichen Auftrag der Daseinsvorsorge zu besinnen.