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    Die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen verdienen mehr …

    Tag der Pflege 2020

    Die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen verdienen mehr als Applaus

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    der 12. Mai ist der „Internationale Tag der Pflege“. Wir machen diesen Tag diesmal zum „Tag des Krankenhauses“ und verdeutlichen so, dass alle Krankenhausbeschäftigten ihren unverzichtbaren Beitrag leisten. Unter dem Motto „Wir sind systemrelevant“ sind die Kolleg*innen aufgerufen, mit einer Foto-Aktion für ihre Anliegen Flagge zu zeigen – so wie es bereits über 60 Interessenvertretungen aus niedersächsischen und bremischen Krankenhäusern mit einem Offenen Brief getan haben.

    Auch über 50 Betriebsräte und Mitarbeitervertretungen aus der niedersächsischen Behindertenhilfe melden sich in diesen Tagen öffentlich zu Wort. Sie fordern die Übernahme aller aktuellen Kosten, die Weiterfinanzierung der Schulassistenz und grundsätzlich der sozialen Dienstleister während der Krise – wie es andere Bundesländer im Übrigen längst tun.

    Die Aktionen passen in die Zeit. Der öffentliche Zuspruch für die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen ist während der Pandemie groß, sie gelten mittlerweile als systemrelevant. Der Applaus tut gut, aber die Beschäftigten erwarten wirkliche Verbesserungen.

    „Wir wollen ein Gesundheitssystem von und für die Gesellschaft – nicht für Profite und Dividenden.“

    David Matrai, Landesfachbereichsleiter Gesundheit und Soziales ver.di Niedersachsen-Bremen

    Zunächst ist die Gesundheit der Beschäftigten, Patient*innen, Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung zu schützen. Dazu braucht es ausreichend Schutzkleidung und die Einhaltung der Hygienestandards. Übrigens: Dass die Ausgliederung der Reinigung vielerorts aus Gründen der Kostensenkung ein Fehler war, wird spätestens in dieser Situation deutlich.

    Weiterhin brauchen die Beschäftigten Entlastung durch mehr Personal, eine gesetzliche und bedarfsorientierte Personalbemessung in der Pflege, verlässliche und kürzere Arbeitszeiten sowie dauerhaft höhere Löhne. Als ein Signal, dass die Aufwertung des Gesundheits- und Sozialwesens ernstgemeint ist, fordert ver.di eine „Corona-Prämie“. Als erster Erfolg konnte eine Prämie von bis zu 1.500 Euro für alle Altenpflegebeschäftigten durchgesetzt werden.

    Die Krise wirft auch die grundsätzliche Frage auf: Wie sieht ein Gesundheitssystem aus, dass eine bestmögliche Versorgung und gute Arbeitsbedingungen gewährleistet? Wir meinen, es ist ein Gesundheitssystem von und für die Gesellschaft – nicht für Profite und Dividenden. Wettbewerb, Marktlogik und Profitstreben sind hier fehl am Platz. Deshalb braucht es anstelle eines Finanzierungssystems über „Fallpauschalen“ eine kostendeckende Finanzierung, die Rücknahme von Privatisierungen und Ausgliederungen sowie den Erhalt aller Krankenhäuser in den Regionen.

    Wir wissen: Trotz des aktuellen Zuspruchs werden unsere Forderungen zu Konflikten mit Arbeitgebern und Politik führen. Je mehr Kolleginnen und Kollegen sich gewerkschaftlich organisieren, desto optimistischer nehmen wir diese Auseinandersetzung an. 

    Viele Grüße

    DAVID MATRAI,
    Landesfachbereichsleiter Gesundheit und Soziales ver.di Niedersachsen-Bremen

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    Gedanken zum Tag der Pflege 2020
    Foto/Grafik: ver.di