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    Billig verkaufte Verantwortung in der LAB

    Landesaufnahmebehörde (LAB)

    Billig verkaufte Verantwortung in der LAB

    Was Wachleute zu ihrer Arbeit denken

    Für ihre Arbeit für die Landesaufnahmebehörde (LAB) wünschen sich die Mitarbeiter*innen im Wachdienst der WSO Bedingungen, die ihnen und vor allem auch den Bewohner*innen gerecht werden. Doch sieht die Realität weiterhin trübe aus. Personalmangel, prekäre Arbeitsbedingungen und belastende Weisungen bleiben das große Thema.

    Nach dem vom DGB aufgegriffenen und veröffentlichten Hilferuf der WSO-Beschäftigten im „Flüchtlingshaus“ Sedanstraße wurde der Redebedarf groß. Auch folgten neue Weisungen der LAB und selbst der „christliche“ Betriebsrat einer solchen „Gewerkschaft“ probierte, mit anonymen Fragebogen und vielen Smileys die Stimmung einzufangen. Ein Firmenchef drohte und ein anderer war verärgert. Nur blieben die Bedingungen schlecht. Die Arbeit für mind. 48 Kolleg*innen sollten 32 mit vier Schichtleitern erledigen, wurde von gestressten Kolleg*innen recherchiert.

    Es wurde zwar viel gesprochen und erklärt, doch die Verträge mit dem Land und fragwürdige Tarifverträge mit einer „christlichen Gewerkschaft“ sollen unabänderlich sein. Für die Landesbehörde und die WSO. Besser geht immer. Die einen privatisierten ihre Verantwortung und für die anderen ist nun einmal ihr „Ansehen“ trotz aller Umstände wichtig. Unterm Strich nur bleibt für die Kolleg*innen, dass sie vergleichbar den Landesbediensteten fachlich qualifizierter arbeiten und fairer behandelt sein sollten. Eine Forderung, die sich an den Aufgaben, nicht am Preis misst.

    In weiteren Einzelgesprächen und Versammlungen kristallisiert sich heraus: Die Verträge des Landes mit der WSO sind wissentlich mit für die Situation verantwortlich. Das Land will vor allem billig. Inklusive der 12-Std. Schichten mit fünf Minuten Pause, wenn es gerade passt. Mindeststandards der Qualifizierung für diesen Job sind irrelevant. Hauptsache, die Stichschutzwesen und Handschuhe werden jetzt immer getragen. Offiziell aus Gründen der Versicherung, soll es die LAB begründen. Dazu merkt die WSO-Seite an, für die Versicherung ihrer Mitarbeiter*innen zuständig zu sein. Und die Kolleg*innen sehen, dass es ihr Auftreten gegenüber den geflüchteten Bewohner*innen verschärft. Diesbezüglich kommen diverse Hinweise. Immerhin sind die Abschiebungen aus ihrer Mitte das, was unter den Bewohner*innen die Situation unerträglich zuspitzt. Sichere Unterbringung geht anders.

    Die Berichte der Wachleute machen Außenstehenden deutlich, dass ihr Einsatz nicht nur durch die enorm hohe Arbeitsbelastung, sondern auch durch die zunehmende Verschärfung ihres Einsatzes krank macht. „Wir dachten einmal, für die Flüchtlinge da zu sein, zu deeskalieren und zu schützen. Aber der Druck erhöht sich und wir spüren ihn auch. Wir sind für die LAB da.“ Warum da nicht zu solchen Bedingungen vergleichbar den Landesbediensteten arbeiten, ist etwas, dass sie wirklich gern angehen würden. „Und dann auch rechtlich sauber!“, grummelt jemand, der einen besseren Job gefunden hat.

    Die Forderung klingt sinnvoll. Mehrere Hundert Menschen, mehr oder weniger heftig traumatisiert und ganz ohne gesicherte Zukunft bewachen, klingt nicht nach dem „Flüchtlingshaus“ in Osnabrück. Auf der anderen Seite ist doch fachlich versiertes Personal, das unter fairen Arbeitsbedingungen dort eingesetzt wird, der oft beschriebene Anspruch. Von Seiten des DGB bleibt es bei der Forderung nach fairer Arbeit für faires Geld und den unteilbaren Schutz der Menschenwürde für alle, die in der Anlage Sedanstraße miteinander auskommen müssen.