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    Geschenk oder Mogelpackung?

    KiKxxl

    Geschenk oder Mogelpackung?

    ver.di kritisiert geplanten Zentral-Betriebsrat bei KiKxxl

    KiKxxl tut sich mit Betriebsräten nach Ansicht der Gewerkschaft ver.di sehr schwer. Alle Versuche, in diesem Call-Center einen Betriebsrat zu gründen, waren in der Vergangenheit gescheitert. Jetzt ist allerdings auf Initiative der Gewerkschaft ver.di eine erste BR-Wahl in Bochum eingeleitet worden.

    Der Arbeitgeber KiKxxl überrascht nun damit, dass er in Zusammenarbeit mit der von ihm eingesetzten „Mitarbeitervertretung“ einen „unternehmenseinheitlichen Betriebsrat“ am Sitz der Osnabrücker Zentrale installieren lassen will.

    Wenn man genau hinschaut, so Gewerkschaftssekretär Frank Buscher, sieht man, wo der Haken ist. Gewollt ist ausschließlich ein „unternehmenseinheitlicher“ Betriebsrat. Das heißt also, ein einziges Gremium am Hauptsitz des Unternehmens, und damit ausdrücklich keine örtlichen Betriebsräte für Bremen, Osnabrück, Dortmund und Bochum, wie eigentlich gesetzlich vorgesehen.

    ver.di-Sekretär Buscher: „Man muss sich nur mal die Entfernungen und die Anzahl der Beschäftigten an den einzelnen Standorten anschauen, um zu erkennen, dass die Belange der Arbeitnehmer/innen nicht vernünftig von einem Ort aus vertreten werden können.“ Es werden offensichtlich weder Kosten noch Mühen gescheut, um dieses Vorhaben noch schnell vor Weihnachten durchzuziehen. Für die für Freitag, den 20.12.2019, angesetzte erste Wahlversammlung werden Beschäftigte aus den Standorten Bremen, Bochum und Dortmund mit Bussen nach Osnabrück gekarrt, auf Kosten des Arbeitgebers. Die schnelle Einrichtung des geplanten „unternehmenseinheitlichen Betriebsrates“ scheint der Geschäftsleitung sehr wichtig zu sein. Buscher: „Oder geht es am Ende vielleicht eher darum, arbeitnehmerorientierte Betriebsräte an den einzelnen Standorten zu verhindern und ein zentrales arbeitgebernahes Gremium zu installieren?“ Ver.di fordere hingegen, dass an jedem einzelnen Standort eigene Betriebsräte zu wählen sind, aus denen dann im Anschluss ein Gesamtbetriebsrat gegründet wird.

    Gewerkschaftssekretär Buscher: „Ich halte einen solchen arbeitgeberseitig gewünschten Zentral-Betriebsrat im vorliegenden Fall für unrechtmäßig. Es entspricht nicht den gesetzlichen Bestimmungen, würde eine vernünftige Interessenvertretung der Beschäftigten erheblich erschweren und nicht zuletzt sind bei der Durchführung von Betriebsratswahlen bestimmte Verfahren einzuhalten, was bei dieser Wahl nach meinem Dafürhalten nicht gegeben ist. Von daher wird ver.di sich vorbehalten, eine unrechtmäßige Wahl eines Zentral-Betriebsrates vor Gericht anzufechten.

    Ob ein unternehmenseinheitlicher Betriebsrat einer sachgerechten Interessenvertretung dient oder nicht, hängt nach Angaben des Gewerkschafters nicht nur von der Frage ab, wo die wesentlichen mitbestimmungspflichtigen Entscheidungen des Arbeitgebers getroffen werden. Vielmehr kommt es vorwiegend auch darauf an, wie gut bzw. wie schlecht die Arbeitnehmer in den Niederlassungen vor Ort ihre Betriebsräte erreichen können. Die Ortsnähe des Betriebsrats ist demnach Bestandteil einer "sachgerechten" Interessenvertretung, so das Bundesarbeitsgericht (BAG).

    Für einen unternehmenseinheitlichen Betriebsrat sind Sprechstunden vor Ort im Betrieb, die Besichtigung von Arbeitsplätzen und Betriebsversammlungen nach Ansicht des ver.di-Fachsekretärs nur schwer umzusetzen. Und auch die regelmäßigen persönlichen Zusammentreffen der Betriebsratsmitglieder zu Gremiums- oder Ausschusssitzungen etc. wären bei einem Zentral-Betriebsrat erheblich erschwert, wenn dessen Mitglieder quer über die Republik verteilt in verschiedenen Standorten arbeiten und ständig enorme Entfernungen zu bewältigen hätten.

    Hintergrundinformationen:

    Das Call-Center-Unternehmen KiKxxl beschäftigt fast 2.000 Mitarbeiter/innen, unter anderem in Bremen, Bochum, Dortmund und am Hauptsitz in Osnabrück.

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