Bildung, Wissenschaft und Forschung

    Befristet und eingespart - Schiffbruch vorprogrammiert!

    Hochschulen Niedersachsen-Bremen

    Befristet und eingespart - Schiffbruch vorprogrammiert!

    Beschäftigte und Studierende von Universitäten und Hochschulen in Niedersachsen und Bremen haben im Namen ihrer Gewerkschaft ver.di in Hannover gegen die Sparvorgaben der Landesregierung und Befristungen von Arbeitsverträgen an den Instituten demonstriert.
    junger Mann mit Warnweste und Fahne Renate Koßmann Befristet und eingespart - Schiffbruch vorprogrammiert  – Hochschulen in Niedersachsen und Bremen


    Beschäftigte und Studierende von Universitäten und Hochschulen in Niedersachsen und Bremen haben am Dienstag, den 14. September im Namen ihrer Gewerkschaft ver.di in Hannover gegen die Sparvorgaben der Landesregierung und Befristungen von Arbeitsverträgen an den Instituten demonstriert. Anlass war die aktuelle Haushaltsdebatte im niedersächsischen Landtag. Im Vorfeld waren die wissenschaftspolitischen Sprecher*innen der Parteien und auch Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) gebeten worden, sich die Forderungen der Demonstrierenden vor Ort anzuhören. Dem Aufruf waren Silke Lesemann, die stellvertretenden Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, die Abgeordneten Thela Wernstedt und Annette Schütze (SPD), die wissenschaftspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Grünen (Eva Viehoff), der CDU (Burkhard Jasper) und der FDP (Lars Alt) gefolgt. Auch Wissenschaftsminister Thümler stellte sich den Fragen der Betroffenen.

    Die Kolleg*innen machten gegenüber den Politiker*innen unmissverständlich deutlich, dass es eine hochschulpolitische Kehrtwende in Niedersachsen braucht. „Von uns wird Exzellenz erwartet während wir mit 40 Jahre alten Maschinen arbeiten“, sagte Bettina Aichinger, eine Mitarbeiterin in Technik und Verwaltung an der Leibniz-Universität in Hannover.

    Peter Müßig vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover machte die gesundheitsschädlichen Aspekte einer von Befristung geprägten Berufsbiografie deutlich: „Ich erwarte seitens der Politik, dass die unsäglichen Befristungsquoten abgesenkt und dort, wo befristet werden muss, diese arbeitnehmerfreundlich geregelt wird und es z. B. deutliche Nachteilsausgleiche gibt.“ Kolleginnen des Instituts für Forschung zum afrikanischen Kontinent, die derzeit für das Fortbestehen der Professur kämpfen, betonten, das Motto der Leibniz-Universität - „Global denken“ – werde durch das Handeln der Verantwortlichen in den Hochschulen und der Politik konterkariert.

    Die wissenschaftspolitischen Sprecher*innen äußerten parteiübergreifend Verständnis für die Situation der Beschäftigten und Studierenden. Auch Minister Thümler sagte, dass die momentanen finanziellen Einsparmaßnahmen, globale Minderausgabe genannt, aus seiner Sicht nicht das seien, was er sich unter gelingender Hochschulpolitik vorstelle. Er sehe die Hochschulleitungen in der Pflicht, das, aus seiner Sicht, maßgebliche Problem der Befristungen zu reduzieren.

    Mit Blick auf die in dieser Woche zu Ende gehenden Beratungen im Landtag über den Haushalt betonte Ulrike Schilling von der Gewerkschaft ver.di: „Wir erwarten, dass von dieser Debatte ein Signal für eine auskömmliche finanzierte Hochschullandschaft ausgeht und dass die Fehler der Landesregierung korrigiert werden.“ Die Befristungsquoten müssten jetzt deutlich abgesenkt werden. „Das Pingpongspiel der Vergangenheit, in dem sich Politik und Hochschulen gegenseitig die Verantwortung hin- und herschieben, werden weder die Beschäftigten noch die Studierenden tolerieren“, so Schilling weiter.